»Wer sich auf Sekundärnachrichten verlässt, ist selber schuld«

Beat Kappeler, ein Kampfmittelräumer und Grace Jones


Herr Kappeler, Sie haben fast zwanzig Jahre lang jede Woche eine Kolumne geschrieben. Das ist eine ziemliche Leistung in Disziplin und Kreativität. Sagen Sie kurz und knapp: Was macht eine gute Kolumne aus?
»Sie muss auf den Punkt kommen, und zwar gleich zu Beginn, nicht erst am Ende.«

In medias res, wie es die Lateiner immer schon wussten.
»Genau. Was so einfach klingt, gehört aber zum Schwierigsten überhaupt. Der Mensch neigt ja zur Langfädigkeit. Und wer pointiert schreibt, muss seinen Gegenstand kennen, ja beherrschen.«

Und sonst?
»Eine Kolumne braucht einen einzigen Gedanken, auf keinen Fall mehr. Und diesen Gedanken muss man auch begründen, einerseits mit Argumenten, anderseits mit Fakten. Alles Abgehobene ist der guten Kolumne abträglich.«

Was Sie schildern, ist klassisches journalistisches Handwerk.
»Das Handwerk hält sich nicht leicht, wie Sie wissen.«*


1.*
As Vorzeige-Kolumnist kann Beat Kappeler auch fabelhaft einen Unterton anschlagen, ohne nach Unterton zu klingen. Von seiner natürlichen Skepsis und der Abneigung gegen geistige Trägheit kann sich jeder Journalist, Politiker und Leser eine Scheibe abschneiden. // »Wer sich auf Sekundärnachrichten verlässt, ist selber schuld«

2. Wurden Sie selbst bei dem Einsatz verletzt? »Vom Kopf her. Mein bester Kumpel ist auch ums Leben gekommen – man nannte uns immer die Zwillinge, weil wir selbst am Wochenende fast nur zusammengehangen haben. Die Bilder verkraftet man nicht einfach so. Ich hab anfänglich versucht, das irgendwie alleine geregelt zu kriegen. Aber irgendwann hat man dann gemerkt: Es geht einfach nicht. Und dann hab ich für mich entschieden, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich dann doch mal lieber ins Krankenhaus gehe. Auch weil das meinen Kollegen nicht weiterhilft, wenn ich nicht zu 100 Prozent bei der Sache bin. Und aus dem mal kurz ins Krankenhaus sind dann 16 Wochen geworden.« […] Wie oft stehen Sie morgens auf und gehen mit Angst zur Arbeit? »Eigentlich gar nicht. Samstag wird natürlich eine andere Hausnummer. Da werde ich mich schon ein bisschen großzügiger zuhause verabschieden, bevor ich dann zur Arbeit fahren werde.« Wenn der Sprengmeister vom Kampfmittelbeseitigungsdienst vom Verlust seines besten Freundes spricht und trotzdem weiterhin seinen Job liebt, ist das Tough Talk, der einem den Mund trocken werden lässt. // Bombenentschärfung Göttingen: Kampfmittelräumer im Interview

3. »[…] They threw me in this jail for undesirables. I was there one night and some guy tried to rape me in the middle of the night.« And what did you do? »I spat up all over myself is what I did. I went into convulsions. Finally I woke up crying. Good trick, crying. You cry and you get anything you want. Finally, it all came out who I was and they were asking me to marry them in the end. I went through a whole night of hell. […]« Grace Jones erzählt André Leon Talley, wie sie sich mit Tränen und Erbrochenem vor einer Vergewaltigung im afrikanischen Knast schützte. Hätte sie doch niemals Yves Saint Laurent abgesagt … // That Time Grace Jones cancelled on Yves Saint Laurent

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