»Ich konnte noch nie gut fotografieren – warum sollte es mit Demenz besser sein?«

Michael Schmieder, Sky du Mont und Jesper Juul


»Diese Krankheit konfrontiert uns mit anderen Werten; da spielt Herkunft keine Rolle mehr. Denken Sie an den Intellektuellen Walter Jens, der sich als Alzheimerkranker in der Gesellschaft einer einfachen Bäuerin am wohlsten fühlte.«

Wieso macht man mit den Dementen Ihrer Meinung nach so viel sinnloses Theater?
»Alzheimer ist eben auch ein Geschäft, da wird alles Mögliche verkauft. Gedächtnistraining für Menschen mit Demenz zum Beispiel: Das ist eine Katastrophe, das strengt die Betroffenen bloß an. Oder: Alzheimerpatienten fotografieren ihre Umwelt. Ich konnte noch nie gut fotografieren – warum sollte es mit Demenz besser sein?«

Vielleicht macht es den Kranken Spaß, sich künstlerisch auszudrücken.
»In der Tat sind Menschen mit Demenz unheimlich kreativ. Die setzen Dinge um, die unsere Norm weit sprengen. Und ich glaube, genau deshalb zwingen wir sie in Kunst- oder Theaterprojekte. Das erscheint uns dann als etwas Produktives, etwas Sinnvolles. Wir halten es nicht aus, dass sie dauernd unsere Normvorstellungen in Frage stellen, etwa von Hygiene oder von Beziehung.«*


1.*
Im Diskurs zwischen Ethik-Experte Michael Schmieder und der Spiegel-Redakteurin Annette Bruhns über die Behandlung von Demenzkranken schwingt eine grundlegende Frage mit: Wann helfen wir anderen und wann eigentlich nur uns selbst? // »Die sind nicht bescheuert«

2. »Schön hier, nicht? Ich war früher öfter hier, als ich noch Geld hatte.« Haben Sie jetzt keins mehr? »Bei einer Trennung gibt es finanzielle Arrangements. Das habe ich jetzt diplomatisch gesagt, oder? Ich könnte Politiker werden.« Sie haben viermal geheiratet und sind viermal geschieden. […] Sky du Mont hat die britische Erzählkunst nicht verlernt. Ihm zuzuhören unterhält – und irgendwie macht es fast auch ein bisschen weiser. // »Heute wissen die Leute, dass ich kein Arschloch bin«

3. Sie konstatieren einen enormen »Bildungsdruck«, den das deutsche Bildungssystem aufbaut für all die, die erfolgreich sein wollen. […] »Wenn Sie mit Kindern über deren berufliche Zukunft sprechen, vertrauen Sie nicht den lautesten Politikern oder den größten Schlagzeilen. Treffen Sie eigene Entscheidungen und unterstützen Sie die Träume und Ziele von Kindern so wenig ›politisch korrekt‹ sie auch erscheinen mögen. Hören Sie auf, Kinder nach ihren Noten oder Zielen für die Zukunft zu fragen. Fragen Sie sie stattdessen: Bist Du mit der Schule zufrieden?, Behandeln Deine Lehrkräfte Dich gut?, Wer ist Dein bester Freund?, Was ist Dein Lieblingsfach?« Der dänische Erziehungsberater Jesper Juul hätte sicher auch zum diesjährigen Schulbeginn ein paar essenzielle Tipps für alle Eltern gehabt. Und das, obwohl seine letzten Worte an Aktualität noch nichts eingebüßt haben. // »Erwünscht ist von Lehrern Gehorsam«

Sagen Sie etwas!

(Ihre E-Mail-Adresse dient allein der Identifizierung. Sie wird nicht veröffentlicht.)