»Ich mag Harry Rowohlt aber trotzdem«

Carl Weissner, Clemens J. Setz und Barbara Slowik


»[…] Es gibt angenehme Junkies, die sehr zuverlässig sind. Die halten einen bestimmten Pegel, und solange man ihnen das nicht verwehrt, rasten sie nicht aus, beklauen dich nicht, kotzen dir nicht das Bad voll, nichts.«

[…]

Was fanden Sie so positiv am Drogenkonsum Ihrer Bekannten?
»Die hatten eine Fähigkeit, die uns abgeht mit unserem Krankenversichertsein bis dort hinaus: Sie haben von der Hand in den Mund gelebt und waren pure Überlebenskünstler.«

Sie meinen, das eint diese Leute mehr als ihr Hang zur Sucht?
»Die Sucht ist hier eigentlich Luxus, denn wenn man nichts hat, kann man auch keine Sucht finanzieren. Da muß man klauen, muß mindestens kleinkriminell werden.«

Das klingt bei Ihnen ganz bewundernd.
»Es war eben so ein Kontrast zu allem, was ich aus Deutschland kannte.«

Sie sind in einem Vorort von Karlsruhe aufgewachsen, Ihr Vater war Postbeamter. Hatten Sie eine behütete Kindheit?
»Nein, ich bin nur verprügelt worden, insofern passe ich genau zu Bukowski und all den anderen. Ich hab’ schon verstanden, daß ich es im Unterschied zu meinen Schulkameraden schlecht getroffen habe.«

Aber Heroin haben Sie trotzdem nie genommen?
»Nein. Ich kann mit Spritzen nicht umgehen. Daß ich mir die Venen zersteche, war für mich eine Horrorvorstellung, außerdem war’s zu teuer. […]«*


1.*
Carl Weissner hielt der obersten Riege von Weltliteraten quasi die Haare beim Kotzen – die Übelkeit kam meistens vom Heroin. Sein Schwärmen von Bukowski, Burroughs und Ginsberg entfacht beim Lesen dennoch ein leises Revival des Klischees vom selbstzerstörerischen Autor.  // Literatur als Schmerzmittel

2. Sie haben mal gesagt, dass Sie sich chronisch überfordert fühlen. »Das ist besser geworden. Ich spüre von Jahr zu Jahr stärker, wie bedeutungslos ich bin, und das ist gesund und richtig. Man beginnt Vorübungen zum Nichtexistieren, indem man sich selber mehr und mehr egal wird. […]« Schriftsteller Clemens J. Setz ist ein faszinierender Kauz. Und er ist auch sehr gewiss die Definition eines Autors – einer, der schreibt nämlich; und der sich dort inspirieren lässt, wo die Realität aufhört.  // »Das Selbstmitleid ist weg«

3. Im Unterschied zu Linken und Grünen will die SPD die Befugnisse der Polizei deutlich erweitern. Ihnen ist das vermutlich recht? »Ja, wir meinen schon, dass da einiges sinnvoll wäre.« Was hätten Sie denn gern? Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik stellt sich einem Interview auf Augenhöhe; nur manchmal schaut die Taz leicht herablassend. Amüsement findet sich zwischen den Zeilen.  // »Wir sind keine Haudraufs«

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