»Für einen psychischen Schaden jedenfalls reicht es«

Wolf Wondratschek, Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak und Ökonom Marcel Fratzscher


Sie verschlüsseln doch auch.
»Finden Sie?«

Aber sicher. Verglichen mit manchen Mitteilungen in diesem Interview ist Ihre Lyrik doch harmlos.
»Vielleicht haben Sie recht. Ich habe in den Siebzigerjahren ein Buch geschrieben, das hieß ›Letzte Gedichte‹. Der Titel war nicht als Witz gemeint. Ich wollte tatsächlich aufhören, Gedichte zu schreiben. Ich achte Prosaschriftsteller viel höher als Lyriker. Mein Plan war, eine längere Erzählung zu schreiben. Aber mir fiel nur der Schluß ein. Es wurde wieder nur das große Versagen.«

Warum geben Sie sich nicht zufrieden mit dem, was Sie können?
»Das ist so ein verrückter Ehrgeiz, vielleicht eine Art Masochismus, genau das zu wollen, von dem ich annehme, daß es mir neue Schwierigkeiten bereitet. Ich würde vor mir den Respekt verlieren, wenn ich einer solchen Herausforderung aus dem Wege ginge.«

Sie sind wirklich zum Lachen.
»Können Sie das erklären?«

Dieser männliche Sportsgeist, mit dem Sie an die Kunst herangehen, ist doch kurios, wenn nicht lächerlich.
»Man hat mich vor Ihnen gewarnt.«*


1.*
Es liest sich wie eine schnip­pische Partie Pingpong: das Gespräch zwischen André Müller und Wolf Wondratschek Ende der Achtzigerjahre. Selbst die Fußnoten sind schöne Schmetterbälle. // Interview mit Wolf Wondratschek 1988

2. »[…] Also, ich belaste mit meinen Thesen nicht etwa diese Jungs, sondern entlaste sie, weil sie mit hohen Ansprüchen konfrontiert werden, auf die sie aber nicht ausreichend vorbereitet werden.« Stattdessen belasten Sie die Frauen, die Mütter und sagen, die sind schuld: Die erziehen ihre Kinder nicht richtig. Liegt das Versagen tatsächlich so klar auf der Seite der Frauen? »Ich habe niemals gesagt und niemals geschrieben, dass es nur an der Mutter liegt. Vielmehr ist der Vater kaum vorhanden. Also das heißt, wir müssen beide Elternteile in die Verantwortung nehmen. Dass die Frau an allem schuld ist, ist ein gängiges Klischee, das ich niemals unterschreiben würde.« Und es bleibt nicht bei einem Missverständnis: Im Gespräch mit Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak möchte der Interviewer gern mehr Schuld zu weisen, als es Schuld zu verteilen gibt. // »Die Probleme vieler junger Muslime beginnen im Elternhaus«

3. »[…] Zum einen sagt die Mehrheit der Deutschen: Uns mag es individuell gut gehen, aber gleichzeitig empfinden wir, wie unsere Gesellschaft funktioniert, als nicht gerecht. Zum anderen gibt es diese Umfragen, die sagen: Viele, vor allem Ostdeutsche, empfinden sich als Bürger zweiter Klasse. Wenn man diese zwei Aspekte zusammenfügt …« Landet man bei Björn Höcke? Der gesagt hat: ›Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar‹, von der ›katastrophalen Niederlage von 1945‹ spricht und meint: ›Das große Problem ist, dass Hitler als absolut böse dargestellt wird‹? Ein angespanntes Gespräch zwischen Jakob Augstein und dem Ökonomen Marcel Fratzscher, das dort zwickt, wo es auch alles andere als bequem sein sollte. // »Niemand wird als Rassist geboren«

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